Maerchenonkel

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Der Schornsteinfeger und der Bäcker

Der Schornsteinfeger und der Bäcker

In einem Dorf lebten einst ein Schornsteinfeger und ein Bäcker friedlich miteinander. Sonntags saßen sie gemeinsam in der vordersten Kirchenbank und feierten inbrünstig die heilige Messe. Begegneten sie einander auf der Straße, so grüßten sie sich und wünschten einen guten Tag.

Eines Morgens jedoch musste der Bäcker die Backwaren selber austragen, da sein Geselle krank war. Sein Weg führte ihn auch zum Haus des Schornsteinfegers.
Als ihm dessen Frau öffnete, sprach er galant:
„Schöne Gevatterin, ich habe Euch und Eurem Mann die süßesten Brötchen mitgebracht. Verspeist sie mit meinen besten Wünschen, denn Euer Mann sorgt heute dafür, dass mein Schornstein wieder kräftig rauchen kann.“
„Ich werde es ihm gerne ausrichten“, antwortete die Frau geschmeichelt, „doch ist mein Mann nicht im Haus. Er musste schon früh am Morgen fort, um den Leuten aufs Dach zu steigen.“
Als sie den Bäcker vor ihrer Türe von oben bis unten beschaute, dachte sie bei sich:
„Das wäre endlich ein Mann nach meinem Geschmack. Wie heißblütig doch seine Wangen glühen, wie weich und rundlich seine Gestalt ist. Der wurde aus einem ganz anderen Holze geschnitzt als mein Alter, der dürr und klapprig jeden Tag im eisigen Winde steht und die Kälte mit in unsere Kissen bringt.“
Und sie sprach:
„Kommt doch herein. Ihr schaut aus, als hättet Ihr von Euren eigenen Brötchen noch nicht gekostet, und mir selber ist es zuwider, am Frühstückstisch die leere Wand anzustarren.“ Zwinkernd fügte sie hinzu:
„Wir wollen doch einmal sehen, ob nicht auch ich euren Schornstein zum Rauchen bringen kann.“
Das ließ sich der Bäcker nicht zweimal sagen und antwortete:
„Wenn Ihr einen guten Esser braucht, so will ich mich gerne an Eure reichlich gedeckte Tafel setzen und mit allem Schönen verwöhnen, dessen das Bäckerhandwerk fähig ist.“

Zur selben Zeit läutete auch der Schornsteinfeger an der Backstube und sprach zur Bäckersfrau:
„Sagt eurem Gemahl, sein Schornstein würde wieder rauchen, als sei er neu.“
Die Bäckerin fand ebenfalls Gefallen an dem Mann vor ihrer Haustür und dachte:
„Das wäre wahrlich ein Mann nach meinem Gusto. Wie kühl doch seine Wangen sind, wie groß und hager seine Gestalt. Das ist ein anderer Kerl als mein Alter, der fett und schwitzend jeden Tag vor dem heißen Ofen steht und den Mehlstaub in unsere Kissen bringt.“
Und sie antwortete ihm:
„Was nutzt schon ein Kamin, wenn der Ofen nicht zum Glühen gebracht wird? Kommt nur herein, ihr seht mir arg verfröstelt aus. Wir werden gemeinsam schon einen Weg finden, wie wir uns ein wärmendes Feuer entfachen können.“
Der Schornsteinfeger nahm ihre Einladung nur zu gerne an und sie liebten und herzten sich, dass es eine reine Freude war.

Bald darauf kehrte der Bäcker zufrieden in sein Heim zurück. Seine Frau erwartet ihn bereits mit rot glühenden Wangen und sprach:
„Heute war der Schornsteinfeger da und hat bei uns ordentlich eingeheizt und den Ofen gereinigt, damit du wieder backen kannst.“
Als der Bäcker sein Weib betrachte, entdeckte er auf ihren Wangen und auf ihrer weißen Schürze lauter Russspuren und argwöhnte:
„Mir scheint, er ist nicht nur auf unserem Dach zugange gewesen. Sag mir sofort, woher die Rußflecken auf deiner Haut stammen oder ich erschlage dich!“
Seine Frau erwiderte: „Woher sollen sie schon stammen? Ich ließ ihn herein, damit er bei meinem Herd nach dem Rechten schauen kann. Dabei ist wohl etwas Ruß auf mein Gesicht gekommen.“
Der Bäcker blieb misstrauisch, doch konnte er seiner Frau nicht das Gegenteil beweisen. Also sprach er:
„Es mag so gewesen sein oder auch nicht. Auf jeden Fall sollst du nichts Schwarzes mehr in unser Haus hineinlassen. Sollte ich auch nur noch einen Rußfleck an dir erblicken, so wird es dir schlecht ergehen.“

Auch der Schonsteinfeger war wenig begeistert, als er seine Frau über und über mit Mehlstaub bedeckt sah. Sie redete sich zwar heraus, es stamme nur von einem Kuchen, den sie für ihn gebacken habe, doch er befahl:
„Mir darf nichts Weißes mehr ins Haus kommen. Sollte ich noch einmal Mehlspuren auf deinem Gesicht finden, werfe ich dich mit Sack und Pack hinaus.“

Am nächsten Tag geschah es, dass sich Bäcker und Schornsteinfeger auf der Straße begegneten. Sobald sie einander sahen, stürmten sie aufeinander los.
„Du elender Mehlwurm“, schrie der Schonsteinfeger, „lass in Zukunft deine dicken Pfoten von meiner Frau!“
Der Bäcker ließ sich nicht lumpen und rief:
„Und du schwarzer Schlotknecht hast deinen Ruß nicht auf dem Gesicht meiner Frau zu verteilen.“
Da war die schönste Schlägerei im Gange, es wurde getreten und gebissen, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte, und wären nicht andere Dorfbewohner dazwischen gegangen, hätte wohl einer sein Leben verloren.

So kehrten beide arg gebeutelt zu ihren Frauen zurück, der Schornsteinfeger über und über mit Mehl bestäubt, der Bäcker hingegen mit Russ.
Doch was ist schon die List der Männer gegen die List der Frauen? Beide mussten vor der Türe ihre Ärmel ausstrecken und die Bäckerin sagte, sie dürfe niemandem mit einem Rußfleck Zutritt gewähren, die Frau des Schornsteinfegers hingegen wollte nichts Weißes in ihr Haus lassen.
Wie auch die Männer bettelten und sich bemühten, die Spuren ihres Kontrahenten von der Kleidung zu wischen, die Frauen ließen sie nicht herein. Da standen sie nun zitternd bis weit in die Nacht vor ihren Häusern und baten um Einlass.

Die Frauen jedoch hatten erst dann Mitleid mit ihnen und ließen sie herein, als die Männer feierlich versprachen, der jeweils andere dürfe wieder ihr Haus betreten.

Trafen sich fortan die Familien, so grüßten Frauen einander im geheimen Einverständnis, ihre Männer jedoch blickten stur zu Boden in der Gewissheit, gleichzeitig Betrüger – und Betrogener zu sein.
26.3.07 10:50
 



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