Maerchenonkel

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Der Goldesel

In einem gar nicht fernen Land lebte ein Mann, der ließ allerorts verkünden, er besäße einen Goldesel. Dieser könne drei Goldstücke scheißen, wenn man ihn zuvor mit zweien gefüttert habe. Da der Mann im Lande wohlbekannt war, vertrauten ihm die Leute und sprachen: „Wir wollen uns dieses Wundertier aus der Nähe betrachten. Ist es, wie er sagt, bitten wir ihn, er möge auch unser Geld mehren.“

Als nun viel Volk vor seinem Haus stand, ging der Mann zu ihnen und sprach:
„Ist einer unter euch, der mir zwei Goldstücke geben will? Die stecke ich dem Esel ins Maul und es kommen gewiss drei Goldstücke heraus.“

Tatsächlich fand sich jemand, der dem Manne zwei Golddublaten reichte. Der nahm sie und sagte:
„Ich werde in den Stall des Esels gehen, ihr aber dürft mir nicht folgen, denn der Esel ist sehr störrisch und wird kein Gold scheißen wollen, wenn ihm Fremde dabei zuschauen.“

Dies verstanden die Leute und so warteten sie geduldig auf seine Rückkehr. Es dauerte auch gar nicht lange, da trat der Mann wieder aus dem Stall hervor und hielt drei funkelnde Goldmünzen in seiner Hand und rief:
„Wie ihr seht, kann mein Esel wirklich Gold scheißen.“
Und er übergab dem Glücklichen die drei Goldmünzen.

Da jubelte das Volk begeistert, ließ den Mann hochleben und jeder wollte der Nächste sein, der ihm sein Geld gab. Doch auch zur damaligen Zeit waren die meisten arm wie Kirchenmäuse und niemand war mehr unter ihnen, der zwei Goldstücke sein Eigen nennen konnte. Sie flehten, er möge doch wenigstens ihre Kupferpfennige und Silbergroschen vervielfachen, doch der Mann schüttelte den Kopf:
„Ein richtiger Goldesel pflegt, wie sein Name schon sagt, nur Gold zu fressen und nichts anderes. Gebe ich ihm eure einfachen Münzen, wird er elendig zugrunde gehen. Aber warum legt ihr nicht euer ganzes Geld zusammen und spart eifrig, bis ich es in Goldmünzen wechseln kann? Die will ich dann gerne meinem Esel zum Fressen geben.“

Die Anwesenden nickten freudig, denn das war in ihren Ohren ein guter Vorschlag. Sie gründeten gemeinsam einen Goldesel-Sparfond, knapsten sich jeden Pfennig vom Munde ab und schickten dem Besitzer des Goldesels ihre Münzen.

Nach vielen Jahren nun rief der Mann alle Fondmitglieder zusammen und sprach:
„Ihr habt nun lange genug gespart und mir eure Münzen gesandt, nun konnte ich sie in zweihundert Goldmünzen wechseln. Die will ich heute an den Esel verfüttern. Hat er sie vervielfacht, werde ich jedem von euch seinen gerechten Anteil auszahlen.“

Der Mann schob eine Karre mit Goldmünzen zum Stall, die so schwer war, dass er sie dreimal auf seinem Weg absetzen musste. Derweil warteten die anderen und malten sich in den buntesten Bildern aus, was sie mit ihrem Gewinn machen würden. Die einen wollten sich ein Haus kaufen, andere auf Reisen gehen – und einige sich einfach nur richtig sattessen.

Langsam jedoch wurden sie ungeduldig, denn der Besitzer des Goldesels wollte und wollte nicht aus dem Stall zurückkehren. Schließlich wurde es Abend und die ersten waren so erbost, dass sie wütend zum Tor gingen und heftig dagegenpochten. Endlich öffnete es sich und der Mann trat mit traurigem Gesicht zu ihnen:
„Ich muss euch leider sagen, dass mein Goldesel tot umgefallen ist, als ich gerade das letzte Goldstück an ihn verfüttert wollte. Es kann sein, dass zweihundert Goldstücke einfach zu viel für seine Verdauung waren.“

Das erboste natürlich alle und sie liefen in den Stall, um nach dem Tier zu schauen. Tatsächlich fanden sie den Esel tot und rasch schnitten sie ihn von oben bis unten auf. Doch so sehr sie auch suchten, es fand sich nichts in ihm, was einem Goldstück ähnlich sah.

Die Menschen verklagten den Mann vor dem königlichen Gericht, doch befanden die höchsten Richter, er sei unschuldig und der Esel an einer Goldvergiftung gestorben.

Es geht das Gerücht, an jenem Platz, wo sich früher das Haus des Mannes befand, stehe heute das Frankfurter Bankenviertel. Doch dies kann ich nicht mit Gewissheit sagen.

18.8.08 22:08
 



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